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Karin Türk

Dornburg

Unsere Dornburg - eine keltische Stadt

Ausgrabungen im Jahre 1960 legten historische Funde frei, die beweisen, daß die Stadt über lange Zeit bewohnt war. Zum Schutz von Gut und Leben war die Wohnstadt durch einen gewaltigen Ringwall nach allen Seiten geschützt. Möglicherweise war die Ansiedlung der Mittelpunkt eines größeren Gaues, dessen Bewohner am Bau der Ringwälle beteiligt waren.

Auf der riesigen Hochfläche der Dornburg wurde bei Ausgrabungen im Jahre 1960 unter der Leitung von Prof. Dr. Hellmuth Schoppa die größte keltische Stadtanlage unser näheren Heimat festgestellt. Derartige keltische Bergstädte sind im Nassauer Land sehr selten, und daher ist auch das große Interesse der Naturhistoriker und Archäologen an der Vergangenheit unserer Dornburg zu verstehen.

Ausgrabungen auf der Dornburg

Ausgrabung in Dornburg Das Plateau der Dornburg hat eine Länge von 800m und eine Breite von 500 m. Gegen die steilfallendem Nord-, Süd- und Ostseiten war es von einem Wall umgeben und gegen den Sattel, der das Plateau mit dem Gebirgsmassiv verbindet, durch einen hohen Steinwall geschützt. Im Volke ist dieser Steinwall als "Rödchesmauer" bekannt. Im Abstand von ca. 80 m ist ihr ein zweiter Wall vorgelagert, der sich in Südrichtung im "Felsenmeer" verliert. Der äußere Wall stammt aus der Zeit 400 v. Chr., die Rödchesmauer aus der Zeit des 1. Jahrhunderts v.Chr. Die Mauer ist aus Steinen und dicken Holzbalken in der Technik des murus Gallicius erbaut und hat eine Stärke von 7 Metern. Bei Grabungen wurde festgestellt, daß die erste Mauer bis auf eine Steinlage am Boden eingeebnet wurde. Mit den abgebauten Steinmaterial baute man den zweiten Wall, bei dem auch Holz verwendet wurde. Mit Hilfe eines Holzkastenwerkes, in das Steine gefüllt waren, wurde das Mauerwerk konstruiert. Die Zwischenräume zeigten Erdauffüllungen. Der Ringwall und andere Anzeichen auf der Dornburg erinnern an keltische Städte in Frankreich wie sie Cäsar in seinem Buch "De bello gallico" beschrieben hat.

1830 fand der Hadamarer Medizinrat Dr. Kolb, der die Dornburg untersuchte, 7 keltische Münzen, von denen sich nur zwei in der Sammlung Nassauischer Eigentümer befinden. Eine Goldmünze zeigt das Portrait eines Herrschers, auf der Rückseite ein geflügeltes Pferd. Eine zweite Münze, es handelt sich um eine Silbermünze, zeigt auf der Vorderseite den Kopf eines Herrschers und auf der Rückseite ein Fabelwesen. Vermutlich sind diese Münzen von den Galliern nach griechischer Vorlage nördlich der Alpen geschlagen worden und verraten eine starke Anlehnung an die hellenistische Zeit.

Spätere Grabungen brachten mehrere Scherben, Holzkohlespuren, alte Feuerstätten und andere Einzelfunde zutage, die teilweise aus der Frühlatc(nezeit, teilweise aus der Spätlatc(nezeit stammen. Die Latc(nezeit umfaßt die letzten 500 Jahre vor Christus und ist eine wesentlich keltisch bestimmte Epoche (Jüngere Eisenzeit). Die Dornburg gilt als typisches Beispiel ihrer Bauwerke.

Das indo-germanische Volk der Kelten trat am Ende des 6. Jahrhunderts vor Chr. zum ersten Mal als ein Volk mit historischem Namen in das Licht der Geschichte und erlangte Bedeutung durch Bergbau, Anlage fester Städte und ausgedehnten Handel. Mit der Eroberung Galliens und Britanniens durch die Römer wurde ihre Macht gebrochen. Bei der kulturellen Ausdehnung dieses Volkes war es kein Wunder, daß die Kelten kulturelle Einflüsse aus Italien, Frankreich und Griechenland etc. mitbrachten. Das beweisen die Münzfunde und eine skythische goldene Gürtelschließe von der Krim.

Die fast flache Hochebene der Dornburg, die sich geradezu für eine Besiedlung anbietet, läßt den Schluß zu, daß es sich nicht wie früher angenommen, um eine keltische Fliehburg handelt, sondern um eine stadtähnliche Anlage, deren keltische Bewohnung in das vierte und erste Jahrhundert vor Chr. datiert.

Auf der Dornburg wurde von den Kelten aber nicht nur Ackerbau betrieben, wie es ein Depotfund am Fuße der Dornburg aussagt, in dem Ackergeräte sichergestellt wurden, sondern auch das Handwerk und die Schmiedekunst. Für die Anwesenheit ganzer Familien zeugen die vielen Spinnwirteln, Tontöpfe und Bruchstücke von Mühlsteinen aus Basaltlava. Ungeklärt ist bis heute, wie die Wasserversorgung dieser Stadt funktionierte. Zisternen waren sicher vorhanden. Es ist aber auch möglich, daß eine Quelle am Hang Trinkwasser spendete.

Ausgrabungen im Jahr 1963 beweisen, daß im Mittelalter mehrere Bauerngehöfte und eine Kapelle auf der Dornburg bestanden haben. Die Kapelle stand in der SO-Ecke des Plateaus. Es handelte sich um einen oblongen Saalbau mit eingezogenem Chor, dessen Osthälfte bereits durch eine Planierraupe zerstört war. Nach den freigestellten Fundamenten war das Schiff 8,75 m lang und 6,5 m breit. Höhe des Mauerwerks: 0,8m. Der sog. Hildegardisbrunnen, ein trichterförmiges Loch, hat die Innenkante der Westmauer und der Nord- und Südmauer in der Westhälfte zerstört. Daraus ergibt sich der Befund, daß der Brunnen jünger ist als der Altar der Kapelle und die örtliche Überlieferung, es handele sich um eine frühchristliche Taufanlage, widerlegt ist. Kirchen diesen Charakters sind in unserer Heimat nicht selten und datieren in das 12. oder 13. Jahrhundert n. Chr. Eine exakte Altersbestimmung war auf Grund der spärlichen Funde nahe dem Fundament nicht möglich.

Sagen und Mythen um die Dornburg erhalten durch die Ausgrabungen der Kirche und des "Hildegardisbrunnens" neue Nahrung. Der Mythos leitet Dornburg von Donarburg = Thorburg ab. Der Volksmund berichtet von der Dornburgstadt, die ein jähes Ende durch Verrat gefunden habe.

Der Hildegardisfelsen

Hildegardisfelsen in DornburgHildegard, die Tochter des Bürgermeisters Arnulf, soll mit den Raubritter Ruprecht von Ellar ein geheimes Liebesverhältnis gehabt haben. Als Ruprecht mit seinen wilden Gesellen einen Wagenzug reisender Händler aus Frankfurt überfallen hatte, der die Stadt versorgen sollte, wurde er von der Stadtwache überwältigt und in ein Verließ unter der Dornburg gebracht. Hildegard öffnete dem geliebten Räuber am Heiligabend das Gefängnis und zeigte ihm den Weg in die Freiheit mit der abgerollten Schnur eines Wollknäuls. Der Ritter rächte sich an der Stadt und ließ sie von seinen Spießgesellen an allen vier Enden anzünden. Sie brannte bis auf die Fundamente ab. Männer, Frauen und Kinder waren während dieser Vernichtung auf dem Blasiusberg, in dessen Kirche sie für den Sieg über die Strauchritter dankten. Sie machten sich sofort, als sie die Flammen sahen, auf den Weg zu ihrer Stadt, konnten aber nichts mehr retten. 12 goldene Apostelbilder waren in dieser Nacht aus der Kirche der Dornburg verschwunden. Der Küster hatte sie vor dem Zugriff Ruprechts geschützt und im Brunnen versenkt, den man später "Das ewige Eis" nannte. Während er den versinkenden Bildnissen nachschaute, bildete sich auf der Oberfläche des Brunnens eine Eisdecke, die bis auf den heutigen Tag erhalten ist. Hildegard aber, durch den Verrat ihres Geliebten bis in die Tiefen ihrer Seelen verletzt, marterte sich mit Selbstvorwürfen. In einem Anfall geistiger Umnachtung sprang sie vom Hildegardisfelsen in die Tiefe. Seit dieser Zeit geht ihr Geist auf der Dornburg um, bis die Freveltat gesühnt ist. Nur Mauerreste vom Brand und Zahn der Zeit zernagt, der Hildegardisfelsen und das ewige Eis erinnern an die einst blühende Dornburgstadt.